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Ernährung mit Abnehmspritze: Was du bei Wegovy und Mounjaro essen solltest

Weniger Hunger, kleinere Portionen, aber der Körper braucht weiter Eiweiß, Vitamine und Flüssigkeit. Was europäische Fachverbände empfehlen, was bei Übelkeit hilft, wie du deine Muskeln schützt und welche Gerichte aus dem Kochbuch dabei helfen.

Schale mit Ei, Spinat, Tomaten und Gemüse auf einem Holztisch
Foto: Brooke Lark / Unsplash

Wer Wegovy (Semaglutid) oder Mounjaro (Tirzepatid) bekommt, isst meist deutlich weniger. Genau das ist gewollt. Der Bedarf an Eiweiß, Vitaminen, Mineralstoffen und Flüssigkeit sinkt aber nicht im gleichen Maß wie der Appetit. Deshalb kommt es darauf an, was in den kleineren Portionen steckt.

Dieser Artikel behandelt nur das Essen. Wie die Medikamente wirken, wie viel Menschen in Studien abgenommen haben, welche Nebenwirkungen bekannt sind und für wen sie zugelassen sind, steht im Faktencheck zur Abnehmspritze.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Eiweiß: Drei europäische Verbände (EASO, EFAD, ECPO) empfehlen während der Behandlung 1,0–1,5 g Eiweiß je Kilogramm angepasstem Körpergewicht am Tag. Das ist ein Expertenkonsens, kein Studienergebnis, und gilt nicht bei Nierenerkrankungen ohne ärztliche Rücksprache.
  • Muskeln: Ein Teil des verlorenen Gewichts ist fettfreie Masse, ähnlich wie beim Abnehmen ohne Medikament. Krafttraining senkte diesen Anteil in Studien zu Lebensstilprogrammen.
  • Übelkeit: Kleinere Mahlzeiten, weniger Fett und nach dem Essen nicht hinlegen.
  • Trinken: Bei Erbrechen oder Durchfall droht Flüssigkeitsmangel. Wer kaum etwas bei sich behält, braucht ärztliche Hilfe.
  • Nährstoffe: Nahrungsergänzung nicht pauschal, sondern gezielt, wenn ein Risiko oder Mangel besteht.
  • Danach: Nach dem Absetzen kommt das Gewicht im Mittel schneller zurück als nach einem Diätprogramm.

1. Weniger essen, gleicher Bedarf

Semaglutid und Tirzepatid verstärken das Sättigungsgefühl und verringern Hunger. Wer nur noch halb so viel isst, nimmt aber auch nur noch etwa halb so viel von allem auf, was im Essen steckt. Ein kleiner Teller mit einer Eiweißquelle, Gemüse und einer Beilage versorgt den Körper deshalb besser als dieselbe Kalorienmenge aus Gebäck oder Knabberzeug.

Wie groß die Lücken werden können, zeigt eine kleine Studie aus den USA: 69 Menschen, die seit mindestens einem Monat ein GLP-1-Medikament nahmen, schrieben drei Tage lang auf, was sie aßen. Im Mittel lagen Ballaststoffe, Calcium, Eisen, Magnesium, Kalium und die Vitamine A, C, D und E unter den amerikanischen Referenzwerten. Fett lieferte fast 40 Prozent der Kalorien. Die Studie hat klare Grenzen: wenige Teilnehmende, selbst notierte Mahlzeiten, keine Blutwerte, und die Autorinnen und Autoren arbeiten für einen Händler von Nahrungsergänzungsmitteln. Einen Mangel beweist sie nicht, sie zeigt aber, wo es eng werden kann.

Im Juli 2026 haben drei europäische Organisationen eine gemeinsame Empfehlung zur Ernährung bei diesen Medikamenten veröffentlicht: die Adipositas-Gesellschaft EASO, der Verband der Diätassistenten und Ernährungsfachkräfte EFAD und die Patientenvertretung ECPO. Ihre Kernbotschaft: Ziel ist nicht nur weniger Gewicht, sondern gut ernährt bleiben, körperlich leistungsfähig bleiben und die Behandlung gut vertragen. Ihre Empfehlungen zu Eiweiß, Krafttraining und Muskelerhalt beruhen nach eigener Angabe vor allem auf Expertenkonsens, weil die Medikamentenstudien solche Fragen kaum untersucht haben: Von 417 ausgewerteten Studien berichteten weniger als 20 Prozent über die Ernährung und weniger als 5 Prozent über Knochen, Mikronährstoffe oder körperliche Funktion.

2. Wie viel Eiweiß mit Abnehmspritze?

Teller mit Lachs, Quinoa und Brokkoli
Foto: Ella Olsson / Unsplash

Für gesunde Erwachsene nennt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) 0,8 g Eiweiß je Kilogramm Körpergewicht am Tag, ab 65 Jahren 1,0 g. Bei Übergewicht rechnet die DGE mit dem Normalgewicht, nicht mit dem tatsächlichen Gewicht. Wie das genau geht und was Studien zu Eiweiß beim Abnehmen allgemein zeigen, erklärt der Artikel Wie viel Eiweiß am Tag?.

Für die Zeit der Gewichtsabnahme mit einem dieser Medikamente gehen EASO, EFAD und ECPO höher:

Empfehlung von EASO, EFAD und ECPO (2026)

1,0–1,5 g Eiweiß

je Kilogramm angepasstem Körpergewicht am Tag, solange das Gewicht sinkt, mindestens 60 g am Tag. Gilt für geeignete Personen ohne Gegenanzeige. Wird das Gewicht danach gehalten, nennen die Verbände 0,8–1,0 g je Kilogramm. Expertenkonsens, nicht in Studien mit diesen Medikamenten geprüft.

Drei Dinge sind dabei wichtig:

  • Angepasstes Gewicht: Gerechnet wird nicht mit dem vollen aktuellen Körpergewicht. Die Verbände nehmen das Gewicht bei einem BMI von 25 und zählen ein Drittel dessen dazu, was darüber liegt. Beispiel: Bei 1,65 m und 90 kg liegt das Gewicht bei BMI 25 bei rund 68 kg, das angepasste Gewicht bei rund 75 kg. Die Empfehlung liegt dann bei etwa 75–113 g Eiweiß am Tag. Ob das für dich passt, klärst du am besten mit deiner Praxis oder einer Ernährungsfachkraft. Fachleute sind sich hier ohnehin nicht einig: Eine US-Empfehlung von 2025 hält offen, ob mit dem tatsächlichen, einem angepassten oder dem fettfreien Gewicht gerechnet werden sollte.
  • Nieren: Bei einer chronischen Nierenerkrankung oder anderen Erkrankungen, bei denen die Eiweißmenge begrenzt wird, gilt die ärztliche Vorgabe.
  • Keine Pauschalzahl aus dem Internet: Werte wie „1,2–1,6 g je Kilogramm“ oder „80–120 g am Tag“ kursieren häufig, stehen so aber nicht in der europäischen Empfehlung.

Praktisch: Wer wenig Appetit hat, kann am Abend kaum nachholen, was über den Tag gefehlt hat. Eine Eiweißquelle in jeder Mahlzeit verteilt die Menge. EASO, EFAD und ECPO nennen 25–30 g je Hauptmahlzeit, dazu eiweißreiche Zwischenmahlzeiten. Geeignet sind zum Beispiel Quark, Skyr, Joghurt oder Eier am Morgen, Fisch, Geflügel, Linsen oder Bohnen am Mittag und Hüttenkäse, Eier oder Tofu am Abend. Wie viel Eiweiß in einer üblichen Portion steckt, zeigt die Eiweiß-Tabelle pro Portion.

3. Viel Eiweiß in kleinen Portionen: Gerichte aus dem Kochbuch

Wenn nur wenig auf den Teller passt, zählt, wie viel Eiweiß in jeder Kalorie steckt. Die Tabelle zeigt Gerichte aus dem Zappixx-Kochbuch, sortiert nach Eiweiß je 100 kcal. Alle Werte gelten für eine Portion und sind aus dem Bundeslebensmittelschlüssel berechnet. Die Spalte „je 100 kcal“ haben wir daraus gerechnet.

GerichtkcalEiweißEiweiß je 100 kcal
Kräuterquark15725,6 g16,3 g
Harzer-Ajvar-Creme22434,8 g15,5 g
Hähnchen-Gurken-Salat36340,5 g11,2 g
Kabeljau auf Spinat33033,9 g10,3 g
Skyr-Tiramisu24924,1 g9,7 g
Magerquark-Bowl38836,6 g9,4 g
Putenbrust-Wrap32730,0 g9,2 g
Hüttenkäse-Vollkornbrot33525,3 g7,6 g
Rote-Linsen-Suppe37825,6 g6,8 g

Alle Gerichte in der Tabelle haben höchstens 13,9 g Fett je Portion, die meisten unter 8 g. Zum Vergleich: Köttbullar mit Rahmsoße liefern 4,0 g Eiweiß je 100 kcal und 48,8 g Fett in einer Portion, die finnische Lachssuppe 5,8 g und 32,3 g Fett. Beides sind gute Gerichte, aber an Tagen mit Übelkeit oder sehr wenig Hunger eher etwas für später.

Tipp: Eine Kochbuch-Portion ist für eine normale Mahlzeit gedacht. Ist sie dir zu groß, iss die Hälfte und hebe den Rest für später auf. Weitere Gerichte mit mindestens 20 Prozent der Kalorien aus Eiweiß findest du in der Sammlung High-Protein-Rezepte.

4. Muskeln erhalten: Was Studien zeigen

Wer deutlich abnimmt, verliert neben Fett auch fettfreie Masse. Dazu gehören Muskeln, aber auch Wasser, Organe und anderes Gewebe. Ein Verlust an fettfreier Masse ist deshalb nicht dasselbe wie ein gleich großer Muskelverlust. Die Messungen aus der Zulassungsstudie zu Tirzepatid stehen im Faktencheck, Abschnitt 5.

Eine Metaanalyse von 2026 hat 20 randomisierte Studien mit zusammen 15.782 Teilnehmenden ausgewertet, in denen die Körperzusammensetzung per DXA oder MRT gemessen wurde. So viel des verlorenen Gewichts war im Mittel fettfreie Masse:

BehandlungAnteil fettfreie Masse am Gewichtsverlust
Semaglutid35,2 %
Tirzepatid25,4 %
Liraglutid26,8 %
Intensives Lebensstilprogramm ohne Medikament26,2 %
Lebensstilprogramm mit Krafttraining17,5 %

Die Autoren folgern, dass sich der Anteil zwischen Medikamenten und Lebensstilprogrammen im Großen und Ganzen ähnelt. Die Ergebnisse der einzelnen Studien streuten allerdings mäßig stark, und der Wert für Semaglutid liegt höher als der für Lebensstilprogramme. Den niedrigsten Anteil gab es mit Krafttraining. Diese Studien liefen ohne Medikament; dass Krafttraining unter Semaglutid oder Tirzepatid genauso wirkt, ist plausibel, aber noch nicht in großen Studien belegt.

Eine schwarze Kurzhantel vor grauem Hintergrund
Foto: Kedibone Isaac Makhumisane / Unsplash

EASO, EFAD und ECPO empfehlen deshalb zwei Dinge zusammen: genug Eiweiß und Krafttraining, das mit der Zeit schwerer wird, also mehr Gewicht, mehr Wiederholungen oder schwierigere Übungen. Wer keinen Sport gewohnt ist, kann mit Übungen mit dem eigenen Körpergewicht anfangen, etwa Aufstehen vom Stuhl ohne Hände, Wandliegestütze oder Treppensteigen. Bei Vorerkrankungen oder Beschwerden vorher ärztlich klären, was geht.

Ältere Menschen: Ab etwa 65 Jahren, bei schon geringer Kraft oder Gebrechlichkeit verdient der Erhalt der Muskeln besondere Aufmerksamkeit. Daten speziell zu älteren Menschen unter diesen Medikamenten gibt es bisher wenig. Hier lohnt es sich, nicht nur auf die Waage zu schauen, sondern auch darauf, ob Treppen, Tragen und Aufstehen weiter gut klappen.

5. Was darf man bei Wegovy oder Mounjaro nicht essen?

Eine Liste verbotener Lebensmittel gibt es weder in der Fachinformation noch in der europäischen Empfehlung. Es geht um Verträglichkeit. Die Medikamente verlangsamen die Magenentleerung, und die NHS-Klinik Guy's and St Thomas' rät bei Übelkeit und Sodbrennen, fettreiche Speisen zu meiden und kleinere Mahlzeiten zu essen. Frittiertes, sahnige Soßen und üppige Portionen sind an schlechten Tagen deshalb eher keine gute Idee.

Daraus folgt aber nicht, dass ganze Lebensmittelgruppen gestrichen werden sollten. Wer aus Vorsicht immer mehr weglässt, isst am Ende einseitig. EASO, EFAD und ECPO nennen als Vorbild bewährte Ernährungsmuster wie die mediterrane Ernährung, die DASH-Ernährung oder die nordische Ernährung, wie sie im Artikel Gesund essen in Skandinavien beschrieben ist.

6. Was hilft gegen Übelkeit?

Übelkeit ist die häufigste Nebenwirkung, vor allem zu Beginn und nach jeder Dosissteigerung. Wie oft sie in den Zulassungsstudien auftrat, steht im Faktencheck, Abschnitt 9. Die Klinik Guy's and St Thomas' des britischen Gesundheitsdienstes NHS schreibt, dass Nebenwirkungen in den ersten sechs Monaten stärker sein können. Übelkeit, Sodbrennen und Erbrechen lassen laut der Klinik meist innerhalb von 3 bis 4 Wochen nach Beginn oder nach einer Dosissteigerung nach. Sie rät bei Übelkeit, Sodbrennen und Erbrechen:

  • kleinere Mahlzeiten, dafür öfter am Tag,
  • fettreiche und stark riechende Speisen meiden,
  • sich nach dem Essen nicht gleich hinlegen,
  • wenn dir flau ist, schlichte Stärke- und Eiweißlieferanten wie Cracker, einfachen Reis oder gekochte Eier.

Dazu passt: langsam essen und aufhören, sobald du satt bist. Die Medikamente verstärken das Sättigungsgefühl, eine gewohnte Portion kann deshalb plötzlich zu viel sein. Trinke über den Tag verteilt kleine Mengen. Mild und fettarm sind zum Beispiel der Kabeljau auf Spinat mit Kartoffeln (7,1 g Fett), die Rote-Linsen-Gemüsesuppe oder ein Kräuterquark mit Kartoffeln.

Wann Essen allein nicht mehr reicht

  • Du erbrichst wiederholt oder behältst kaum Flüssigkeit bei dir.
  • Du musst deutlich seltener Wasser lassen, der Urin ist sehr dunkel, oder dir ist schwindlig.
  • Du hast starke, anhaltende Bauchschmerzen, mit oder ohne Erbrechen. Das muss sofort ärztlich abgeklärt werden, weil es auf eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse hinweisen kann.

Laut Fachinformation können Erbrechen und Durchfall zu Flüssigkeitsmangel und selten zu einer Verschlechterung der Nierenfunktion führen. Ändere die Dosis nicht auf eigene Faust, sondern sprich mit deiner Praxis.

7. Trinken, Verstopfung und Durchfall

Ein Glas Wasser mit Kondenswasser auf einem Holztisch
Foto: Phước Sang / Unsplash

Wer weniger isst, nimmt auch weniger Wasser über das Essen auf und vergisst bei wenig Appetit oft das Trinken. EASO, EFAD und ECPO nennen für die Behandlung 2,0–2,5 Liter kalorienfreie Getränke am Tag (2,0 Liter für Frauen, 2,5 Liter für Männer, bei Hitze oder viel Sport mehr), die NHS-Klinik etwa 2 Liter Wasser oder kalorienarme Getränke. Das liegt über den rund 1,5 Litern, die die DGE allgemein für Erwachsene nennt (mehr im Artikel Trinkmenge nach Gewicht und Aktivität). Die Packungsbeilage von Wegovy betont ausreichendes Trinken besonders bei Nierenproblemen. Wer wegen einer Herz- oder Nierenerkrankung eine ärztliche Trinkmengen-Grenze hat, hält sich an diese.

Verstopfung hielt in den Studien zu Semaglutid im Mittel deutlich länger an als die Übelkeit (Faktencheck, Abschnitt 9). Die NHS-Klinik rät zu genug Flüssigkeit, mehr Ballaststoffen, Hülsenfrüchten, Leinsamen oder Chiasamen, ein bis zwei Kiwis am Tag, Trockenpflaumen und Bewegung, gerade morgens ein Spaziergang. EASO, EFAD und ECPO empfehlen mindestens 25 g Ballaststoffe am Tag, die DGE allgemein mindestens 30 g. Warum Ballaststoffe langsam gesteigert werden sollten und wo sie drinstecken, steht ausführlich im Artikel Ballaststoffe. Viele Ballaststoffe bei wenig Kalorien liefern zum Beispiel der Linseneintopf mit Wurzelgemüse (19,1 g) und der Thunfisch-Kichererbsen-Salat mit Ei (14,9 g).

Bei Durchfall rät die NHS-Klinik zu kleineren, häufigeren Mahlzeiten und vor allem dazu, verlorene Flüssigkeit zu ersetzen.

8. Vitamine und Mineralstoffe: Braucht man Nahrungsergänzung?

Nicht automatisch. Zwei Übersichtsarbeiten aus dem Jahr 2026 sehen ein Risiko für einzelne Nährstoffe, weil Menschen weniger und weniger abwechslungsreich essen, schneller abnehmen und bei Übelkeit oder Erbrechen manches nicht vertragen. Beide stützen sich aber vor allem auf Beobachtungsdaten und Ernährungsprotokolle. Ob die Medikamente die Mängel verursachen, lässt sich daraus nicht sicher ableiten. Die Übersicht in der Zeitschrift Obesity Pillars beschreibt die meisten bisher gemeldeten Auffälligkeiten als ohne Beschwerden oder nur indirekt belegt.

NährstoffWarum er im Blick bleiben sollte
EisenBlutbildung und Sauerstofftransport
Vitamin B12Blutbildung und Nerven; wichtig bei vegetarischer oder veganer Ernährung
Vitamin D und CalciumKnochen; die US-Empfehlung von 2025 nennt Knochenverlust als mögliches Problem der Behandlung
Magnesium und Zinkin Obesity Pillars zusammen mit Eisen, B12, Vitamin D und Calcium unter den wichtigsten Signalen
Vitamin B1, Folat, Vitamin A, Kaliumvor allem bei langem Erbrechen oder sehr einseitigem Essen

Ein höheres Risiko haben laut der Übersicht in Obesity Pillars Menschen nach einer Magenoperation zur Gewichtsabnahme, mit Magen-Darm-Erkrankungen, mit schon vorher einseitiger Ernährung, im höheren Alter oder mit lang anhaltender Übelkeit und Erbrechen. Für sie empfehlen die Autorinnen und Autoren eine individuelle Beurteilung und gezielte Blutuntersuchungen. Eine Nahrungsergänzung für alle Behandelten halten sie nach der bisherigen Datenlage nicht für begründet. Wer sehr wenig isst, auffällig schnell abnimmt oder lange Beschwerden hat, sollte die Ernährung mit der Praxis oder einer Ernährungsfachkraft besprechen.

9. Ein Tag mit wenig Appetit: Beispiel aus dem Kochbuch

So kann ein Tag aussehen, an dem nur drei kleinere Mahlzeiten gehen. Das ist ein Beispiel, kein Ernährungsplan. Portionen und Kalorienziel hängen von deinem Bedarf ab und gehören in die Hand deines Behandlungsteams.

MahlzeitkcalEiweißBallast­stoffe
Frühstück: Magerquark-Bowl38836,6 g9,1 g
Mittag: Kabeljau auf Spinat33033,9 g6,3 g
Abend: Hüttenkäse-Vollkornbrot33525,3 g11,4 g
Zusammen1.05395,8 g26,8 g

Das Beispiel zeigt zweierlei. Erstens kommt mit drei eiweißreichen Gerichten viel Eiweiß zusammen, und die Ballaststoffe liegen über den 25 g der europäischen Empfehlung. Zweitens sind rund 1.050 kcal für die meisten Erwachsenen deutlich weniger, als sie verbrauchen. Wenn du an vielen Tagen so wenig isst, sprich mit deiner Praxis, ob das so gewollt ist. Eine Zwischenmahlzeit wie das Skyr-Tiramisu, eine Banane oder eine Handvoll Nüsse kann die Lücke verkleinern, wenn der Hunger es zulässt.

10. Nach dem Absetzen: Gewohnheiten zählen

Mit dem Medikament fällt auch seine Wirkung auf Hunger und Sättigung weg. Was die Absetzstudien STEP 1 und SURMOUNT-4 gezeigt haben, steht im Faktencheck, Abschnitt 6. Neu dazugekommen ist im Januar 2026 eine Metaanalyse im British Medical Journal mit 37 Studien und 9.341 Teilnehmenden:

  • Über alle Abnehmmedikamente nahmen die Teilnehmenden nach dem Absetzen im Mittel etwa 0,4 kg pro Monat wieder zu.
  • Nach Semaglutid und Tirzepatid waren es etwa 0,8 kg pro Monat. Nach dem Modell der Forschenden wäre das Ausgangsgewicht im Mittel nach rund 1,5 Jahren wieder erreicht.
  • Nach Medikamenten ging es im Mittel um etwa 0,3 kg pro Monat schneller als nach dem Ende eines Diät- und Verhaltensprogramms, unabhängig davon, wie viel vorher abgenommen wurde.
  • Eine Begleitung bei Ernährung und Verhalten während der Behandlung bremste die spätere Wiederzunahme in diesen Daten nicht.

Die Zeit bis zum Ausgangsgewicht ist eine Hochrechnung, keine Beobachtung, und einzelne Menschen halten ihr Gewicht auch nach dem Absetzen. Wieder zuzunehmen ist kein Zeichen fehlender Disziplin, sondern das, was die Studien im Mittel zeigen. Ob und wann eine Behandlung endet, entscheidest du gemeinsam mit deiner Praxis.

Welche Gewohnheiten das Gewicht danach am besten halten, ist nicht geklärt. Was während der Behandlung ohnehin sinnvoll ist, bleibt es danach: regelmäßige Mahlzeiten mit Eiweiß und Gemüse, Krafttraining für die Muskeln und ein Blick auf Gewicht und Essen, damit du Veränderungen früh bemerkst.

11. Was noch nicht geklärt ist

  • Eiweißmenge: Die Empfehlung von 1,0–1,5 g je Kilogramm beruht auf Expertenwissen. Studien, die verschiedene Eiweißmengen unter diesen Medikamenten verglichen haben, gibt es kaum. Auch mit welchem Gewicht gerechnet wird, ist umstritten.
  • Muskeln oder Wasser: DXA und MRT messen fettfreie Masse, nicht direkt Muskeln und Muskelkraft. Wie viel Kraft und Alltagsfunktion verloren gehen, haben nur wenige Studien untersucht.
  • Krafttraining mit Medikament: Der Nutzen ist bei Lebensstilprogrammen gezeigt. Studien mit Semaglutid oder Tirzepatid und Krafttraining laufen noch.
  • Nährstoffmängel: Wie häufig echte Mängel sind und welche Rolle die Medikamente dabei spielen, ist offen. Vergleiche zwischen Semaglutid und Tirzepatid fehlen.
  • Mangelernährung erkennen: Ein geprüftes Werkzeug, mit dem man Mangelernährung speziell unter diesen Medikamenten erkennt, gibt es laut EASO, EFAD und ECPO noch nicht.

Häufige Fragen

Was sollte man mit Abnehmspritze essen?

Kleinere, ausgewogene Mahlzeiten mit einer Eiweißquelle, Gemüse, Obst und Vollkorn, dazu genug kalorienfreie Getränke. Bei Übelkeit helfen kleine, fettarme Portionen. Eine spezielle „Abnehmspritzen-Diät“ für alle gibt es nicht.

Wie viel Eiweiß brauche ich bei Wegovy oder Mounjaro?

EASO, EFAD und ECPO empfehlen während der Gewichtsabnahme 1,0–1,5 g je Kilogramm angepasstem Körpergewicht am Tag, bei geeigneten Personen mindestens 60 g. Das ist ein Expertenkonsens. Bei Nierenerkrankungen gilt die ärztliche Vorgabe. Welches Gewicht du ansetzt, klärst du am besten mit deiner Praxis.

Gilt das auch für Ozempic?

Ozempic enthält wie Wegovy Semaglutid, ist in der EU aber für Typ-2-Diabetes zugelassen, nicht zum Abnehmen. Die Tipps zu Übelkeit, Trinken und Eiweiß gelten genauso. Bei Diabetes kommen eigene Ernährungsregeln dazu, etwa wegen Unterzuckerung in Kombination mit Insulin. Die bespricht deine Praxis mit dir.

Verliert man durch die Abnehmspritze Muskeln?

Ein Teil des verlorenen Gewichts ist fettfreie Masse, dazu gehören auch Muskeln. In einer Metaanalyse waren es je nach Wirkstoff rund 25 bis 35 Prozent, ähnlich wie bei Lebensstilprogrammen ohne Medikament. Mit Krafttraining war der Anteil in Lebensstilstudien am niedrigsten.

Muss ich mit Abnehmspritze Kalorien zählen?

Nicht unbedingt. Hilfreich kann es sein, wenn du sehen willst, ob genug Eiweiß zusammenkommt oder ob du an vielen Tagen sehr wenig isst. Ein festes Kalorienziel legt am besten dein Behandlungsteam fest.

Soll ich Vitamine einnehmen?

Nicht automatisch. Übersichtsarbeiten empfehlen eine individuelle Beurteilung und gezielte Blutuntersuchungen bei erhöhtem Risiko, etwa nach einer Magenoperation, bei Magen-Darm-Erkrankungen oder lang anhaltendem Erbrechen.

Wie viel sollte ich trinken?

EASO, EFAD und ECPO nennen 2,0–2,5 Liter kalorienfreie Getränke am Tag, bei Hitze oder viel Sport mehr. Bei Erbrechen oder Durchfall gilt es, die verlorene Flüssigkeit zu ersetzen. Bei Herz- oder Nierenerkrankungen gilt eine ärztlich vorgegebene Trinkmenge.

Wann sollte ich ärztliche Hilfe suchen?

Wenn du wiederholt erbrichst, kaum Flüssigkeit bei dir behältst, deutlich weniger Urin ausscheidest oder dir schwindlig ist. Starke, anhaltende Bauchschmerzen müssen sofort abgeklärt werden.

Fazit: Kleinere Portionen, aber gut gefüllt

Abnehmspritzen nehmen dir einen Teil des Hungers ab, nicht aber die Aufgabe, dich gut zu versorgen. Eine Eiweißquelle in jeder Mahlzeit, genug zu trinken und Krafttraining sind die drei Punkte, die die europäischen Verbände am deutlichsten betonen. Bei Übelkeit helfen kleine, fettarme Mahlzeiten. Wer sehr wenig isst oder lange Beschwerden hat, gehört in ärztliche oder ernährungsfachliche Begleitung. Und weil das Gewicht nach dem Absetzen oft zurückkommt, lohnt es sich, Gewohnheiten aufzubauen, die auch ohne Medikament funktionieren.

Eiweiß im Blick, auch bei kleinen Portionen

Mit Zappixx siehst du jeden Tag, wie viele Kalorien und wie viel Eiweiß du gegessen hast. Die Kochbuch-Rezepte übernimmst du mit fertig berechneten Nährwerten. Mit Pro legst du ein eigenes Eiweißziel fest, etwa nach Absprache mit deiner Praxis, und siehst Vitamine und Mineralstoffe je Lebensmittel (ohne Tagessumme). Ein sehr niedriges Kalorienziel hinterfragt die App. Zappixx ist kein Medizinprodukt und ersetzt keine ärztliche Begleitung.

Zum Kalorienrechner

Quellen

  1. Dobbie LJ et al.: Nutritional, functional, and psychological considerations for incretin-based therapies in adults, an EASO, EFAD, and ECPO Consensus Statement. Lancet Diabetes Endocrinol 2026;14(9):754–777, online 08.07.2026. doi.org
  2. Eisa N, Barood O: Lean Mass Changes With Incretin Therapy Versus Lifestyle Intervention: A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomised Controlled Trials. Diabetes Obes Metab 2026;28(6):4818–4827. doi.org
  3. West S et al.: Weight regain after cessation of medication for weight management: systematic review and meta-analysis. BMJ 2026;392:e085304. doi.org
  4. Simancas-Racines D et al.: Micronutrient risk with GLP-1 receptor and dual incretin agonists in obesity: Mechanistic pathways, clinical signals, and a monitoring framework. Obesity Pillars 2026;19:100290. doi.org
  5. Urbina J et al.: Micronutrient and Nutritional Deficiencies Associated With GLP-1 Receptor Agonist Therapy: A Narrative Review. Clin Obes 2026;16(1):e70070. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
  6. Johnson et al.: Investigating nutrient intake during use of glucagon-like peptide-1 receptor agonist: a cross-sectional study. Front Nutr 2025. doi.org
  7. Mozaffarian D et al.: Nutritional priorities to support GLP-1 therapy for obesity: a joint Advisory. Am J Clin Nutr 2025;122(1):344–367. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
  8. Guy's and St Thomas' NHS Foundation Trust: Managing side effects with diet, Dietary advice for people taking weight loss medicines. guysandstthomas.nhs.uk
  9. Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA): Wegovy (Semaglutid), Übersicht und Produktinformation. ema.europa.eu
  10. EMA: Mounjaro (Tirzepatid), Übersicht und Produktinformation. ema.europa.eu
  11. EMA: Ozempic (Semaglutid), Übersicht und Anwendungsgebiet Typ-2-Diabetes. ema.europa.eu
  12. Wegovy, Gebrauchsinformation (Packungsbeilage), deutsche Fassung. patienteninfo-service.de
  13. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Referenzwert Protein. dge.de
  14. Nährwerte der Gerichte: Zappixx-Kochbuch, berechnet aus dem Bundeslebensmittelschlüssel 4.0 (Max Rubner-Institut, CC BY 4.0). Kochbuch

Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel informiert allgemein über Ernährung während einer Behandlung mit Abnehmmedikamenten. Er ersetzt keine ärztliche Beratung oder Ernährungsberatung. Medikamente, Dosis, Nebenwirkungen und mögliche Nährstoffmängel gehören in die Hand deiner Ärztin, deines Arztes oder einer Ernährungsfachkraft.

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